Der ramponierte Ruf der Marktwirtschaft

Teilweise gehört es schon zum guten gesellschaftlichen Ton, sich in Diskussionen gegen „Neoliberalismus“ und „Raubtierkapitalismus“ zu äußern und dabei die Marktwirtschaft selbst zu meinen. Doch welche jener Kritiker würden nicht eifrig digitale Produkte wie aktuelle Smartphones nutzen oder vielfältige Apps und stromsparende LED-Leuchten – und sich bei all dem noch über Schnäppchenpreise und Flatrates freuen?

Offenbar ist vielen Menschen nicht bewusst, dass ohne weltweite Absatzmöglichkeiten sich weder Forschung noch Verkauf moderner Hightech-Produkte lohnen würden; dass erst intensiver Wettbewerb die Preise purzeln lässt und die Welt näher zusammenrückt. So hat der Kapitalismus und mit ihm die Marktwirtschaft als solche trotz aller Annehmlichkeiten einen zunehmend schlechten Ruf: Forderungen nach Vergesellschaftung und einer selbst unternehmerisch tätigen Regierung oder wenigstens streng regulierenden Gesetzgebung lassen nicht nur sozialistische Herzen höher schlagen, obwohl kein sozialistisches Modell vergleichbare Wirtschafts- und Gesellschaftserfolge zu verzeichnen hätten, Kuba und das ölreiche aber verarmte Venezuela lassen grüßen, Kritiker aber eher unbeeindruckt.

  • Wir gehen zu Unternehmen, Beschäftigten und unabhängigen Forschern, um Vor- und Nachteile von Errungenschaften des Kapitalismus und sozialer Marktwirtschaft zu betrachten, zwischen beiden zu unterscheiden und zu eruieren:
    • Welche Faktoren waren es, die das erste wie auch nachfolgende deutsche Wirtschaftwunder ermöglichten? Unternehmerischer Ehrgeiz, Mitarbeiterfleiß, rechtsstaatliche Sicherheit, flankierende Politik? Was fehlt oder war damals da, im Vergleich zur Gegenwart?
    • Was braucht es für die Fortsetzung eines wenigstens moderaten „Wirtschaftswunders“, wenn die USA weiter an Zollschranken basteln und China seinen Plan realisiert, in spätestens 20 Jahren unabhängig von westlicher Hochtechnologie zu sein. Woher können und müssen die Kräfte im Zeitalter von Digitalisierung und Automatisierung hierzulande kommen, wie müssen sie beschaffen sein? Der KI-Forscher und Unternehmer Richard Socher hat konkrete Vorschläge hierzu.

Der Erfolg der Bundesrepublik wenige Jahre nur nach Kriegsende begründete sich wesentlich auch auf der Entfaltung freien Unternehmertums, auf der Entfesselung der Eigeninitiative und Kreativität von Hundertausenden kleiner, mittlerer und großer Unternehmen. So entfaltete sich schon in den frühen 50er Jahren das vielgerühmte deutsche Wirtschaftswunder, das Millionen von Einheimischen wie Zugreisten Arbeit und Einkommen bot. „1950 belief sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) (ohne Saarland und Berlin) auf 97 Mrd. DM. Schon nach wenigen Jahren war dann das Vorkriegsniveau wieder erreicht. Zehn Jahre später (1960) war das BIP bereits um etwa das 2,2 fache angewachsen…Die durchschnittliche Wachstumsrate in diesem ersten Jahrzehnt betrug 8,2 Prozent“ (bpb.de).

Doch Abgas- und andere Skandale kratzen den ehedam soliden Made-in-Germany-Ruf an. Exorbitante Verdienste in teils zweistelliger Millionenhöhe von Vorstandsvorsitzenden erhöhen die Verdienstspanne gegenüber Angestellten auf teils ein Mehrhundertfaches, während vor Jahrzehnten noch eine halbe Million im Vorstand als viel galt. In der frühen Bundesrepublik zeichneten Werte wie Glaube an Eigeninitiative, Selbstverantwortung, Kreativität, Risikobereitschaft Unternehmer und Angestellte aus. Man begann zu investieren, in Eigenheime, aber auch Aktien, Wertpapiere, reiste und lernte die Welt besser kennen.

Heutzutage sind Hightech-Geräte aus Fernost zu wettbewerbsfähigen Preisen in jedem Haushalt zu finden, deutsche Industrieprodukte genießen nach wie vor Weltruhm – Automobilfirmen und ihre Zulieferer stehen noch, trotz Abgasskandal, für Solidität und bieten Millionen von Arbeitnehmern Beschäftigung.

  • Wir fragen Verantwortliche in Unternehmens- und Schulverbänden sowie in der Politik: Wie kann man in Schulen Fächer wie Wirtschaftswissenschaften und Digitalisierung etablieren, um Basiswissen über soziale Marktwirtschaft, Unternehmerum, um Kenntnisse und zukunfsorientiertes Lernen grundlegend zu stärken?
  • Wir gehen zu Unternehmen, Beschäftigten und unabhängigen Forschern, um den schlechten Rufs kapitalistischen Wirtschaftenszu eruieren, doch auch, um die Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft zu betrachten und zu fragen:
    • Was braucht es für die Fortsetzung eines wenigstens moderaten „Wirtschaftswunders“, wenn die USA weiter an Zollschranken basteln und China seinen Plan realisiert, in spätestens 20 Jahren unabhängig von westlicher Hochtechnologie zu sein. Woher können und müssen die Kräfte im Zeitalter von Digitalisierung und Automatisierung hierzulande kommen, wie müssen sie beschaffen sein? Der KI-Forscher und Unternehmer Richard Socher hat konkrete Vorschläge hierzu.
  • Was kann von politischer und sozialpartnerschaftlicher Seite aus getan werden, um Arbeitsstress und Überlastung kontinuierlich abzubauen, um den Krankenstand genauso zu verringern wie die Angestelltenzufriedenheit zu erhöhen?
    • Wie sieht es mit innovativen flexiblen Arbeitszeitmodellen, Kinderbetreuungsmodellen und gemeinsamen Sport- und Freizeitaktivitäten aus? Was ist im Detail zu beachten, um Arbeitszufriedenheit und Effizienz langfristig zu steigern?
    • Wo und wie sind die Arbeitsmodelle, nach denen mit weniger reiner Arbeitszeit doch produktiver und mehr geschaffen wird? Was ist von ihnen zu lernen?
  • Wie sieht der Arbeitsalltag eines Vorstandsmitglieds aus, ist es eher eine 40-50 Stundenwoche, die so mancher Staatsansgestellter von sich auf jene Führungskräfte projiziert? Oder handelt es sich eher um riskante Rund-um-die-Uhr-Arbeit mit sechs bis sieben Tagespensum? Wir wollen Vorstände großer Unternehmen jeweils eine Woche lang begleiten und ihren Alltag dokumentieren.
  • Wie viele Männer, wie viele Frauen möchten sich dieses hohe Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit jahrelang antun, warum sind wenig Frauen in Führungsebenen vertreten? Wegen „Männerzirkeln“ oder wegen der fehlenden „Work-Life-Balance“ – gibt es Lösungen für flexible Arbeitszeiten für Topmanager, oder ist dies eine ideologische, realitätsferne Debatte, die besser beendet werden sollte?

 

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